Dem Volke auf’s Maul schauen

Projekt-Tagebuch

Live in Fürth

Dem Volke genau zugehört haben Petra Annemarie Schleifenheimer und Roland Glaser.

Idee, Konzept, Durchführung 

"Dem Volke auf’s Maul schauen" ist eine Audio-Installation mit 24h Loop, von Petra Annemarie Schleifenheimer und Roland Glaser, mit Antworten zu Interviews, die zwischen August 2016 und April 2017 geführt wurden.

Die sogenannte WortWand war zwischen 05. März und 31.Oktober 2017 am Blauen Reformkiosk zu hören.

Luther wandte sich mit seinen Worten nicht nur an ein theologisches Spezialpublikum, sondern - am liebsten - an alle Menschen. Um verstanden zu werden, ging er auf die Jagd nach prägnanten Formulierungen, die er überall einfangen konnte: auf dem Marktplatz, auf der Gasse, in den Häusern der Leute. Überall dort versuchte er, „dem Volk aufs Maul zu schauen“, um einen Sprachschatz für alle zu sammeln.

Auch in seinen lateinischen Universitäts-Texten dachte er „an alle“: Ein Beispiel dafür sind die 95 Thesen, die er 1517 veröffentlichte (der Legende nach „schlug er sie an“ - und sie waren tatsächlich so etwas wie ein „Anschlag“ auf das kirchliche Führungspersonal). So schwer verständlich diese Thesen heute anmuten, so genau spiegeln sie doch die religiösen Sorgen, Nöte und Sehnsüchte der „einfachen Leute“ in jener Zeit.

Dieser Verbundenheit des Reformators mit den „ganz normalen“ Menschen damals setzt der ReformKiosk® heute mit der WortWand ein Denk-Mal: An der WortWand wird man erfahren, was Menschen im Jahr 2017 denken.

Das künstlerische Projektteam beschränkt sich dabei - wie Luther - nicht auf den Raum der Kirche, sondern trägt die Diskussion im Jubiläumsjahr der Reformation „unters Volk“. Petra Annemarie Schleifenheimer und Roland Glaser führen an unterschiedlichen Orten Interviews, deren Ergebnisse die temporäre Skulptur des Reformkiosk® zu einem Ort des Austauschs machen. Angespornt durch überraschende Fragen, kommt „das Volk“ weit über Fürth hinaus zu Wort: Sogar im Vatikan fängt das Künstlerduo aktuelle Meinungen ein  und diskutiert mit Kirche, Kunst und Kulturschaffenden. Die WortWand ist eine Einladung an alle Menschen, sich im Diskurs rund um „Reformation“ und „Reformen“, rund um gesellschaftlichen WANDEL zu Wort zu melden.